Sonntag, 30. Dezember 2007

Mochi, der japanische Reiskuchen


Heute waren wir bei der Familie Osaki zur traditionellen Mochi-Zubereitung eingeladen. Zwei weitere Kollegen waren auch da.
Zum ersten mal hatte ich die Gelegenheit ein japanisches Wohnhaus zu betreten. Die Räume sind mit Tatami-Matten ausgelegt. In Japan wird übrigens auch die Raumgröße in Anzahl von Tatami-Matten angegeben. Eine Tatami-Matte ist 90 cm x 180 cm groß. Stühle oder Sessel gibt es nicht. Man sitzt auf Kissen auf der Erde.

Nach einem kurzen Snack sind wir vor das Haus gegangen um zusammen mit der ganzen Großfamilie die Mochi zuzubereiten. Der Reis stand schon bereit. 30 kg!
Der wird gedämpft und anschließend in einer dickwandigen Steinschale zerrieben.
Im letzten Schritt wird mit dem großen Holzhammer immer drauf gehauen. Die heiße Masse wird an die Frauen übergeben, die daraus Bällchen und Laibe formen. Einige werden mit süßer Bohnenmasse gefüllt, andere mit verriebenen Nori-Algen oder Shrimps gefärbt.

Den Geschmack der Reisbällchen würde ich eher als neutral bezeichnen. Die Masse ist sehr klebrig. Mein Fall ist es nicht wirklich. Aber Eleanor fand sie sehr lecker. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

In Japan wird Mochi, dieser Reiskuchen zum Jahreswechsel im Kreis der Familie zubereitet und gegessen.




Angeblich kommt es durch die Klebrigkeit der Reismasse jedes Jahr zu, Jahreswechsel zu Fällen von Erstickungstod, über die in den japanischen Zeitungen in Form von "Neujahrs-Todesstatistiken" berichtet wird.

Freitag, 28. Dezember 2007

Meine Freundin ist da!


Bisher gab es im Dezember nicht viel Neues zu berichten. Das Wetter war nicht besonders gut, so dass ich an den Wochenenden nicht viel unternehmen konnte.
Seit gestern habe ich nun für gut eine Woche Urlaub und meine Freundin ist am Kansai Airport angekommen.
Natürlich hat sie mit dem Jetlag zu kämpfen.
Am ersten Tag haben wir uns am Kyoto Bahnhof umgesehen.


Dabei sind wir auf ein Buch gestoßen, das ich aus meiner Kindheit noch gut kenne, nur eben auf japanisch: "Die kleine Raupe Nimmersatt".
Hier heißt sie はらぺこあおむし (hara peko ao mushi), was soviel bedeutet wie "Die hungrige grüne Raupe". "Der kleine Prinz" stand direkt daneben.

Heute war das Wetter leider recht schlecht. Wir hatten Dauerregen. Daher haben wir unseren Tagesplan geändert und uns die Einkaufsgegend angesehen. Dort, inmitten der überdachten Straßen haben wir einen schönen Buddha in einem Tempel gefunden.

Sonntag, 2. Dezember 2007

Plastikmodelle von Essen

Heute möchte ich über ein Thema berichten über das ich schon lange schreiben wollte. Und zwar von den Plastikmodellen der Essen die man in einer Gaststätte kaufen kann.

Wenn man in Japan durch die Straßen geht, sieht man viele Gaststätten. Bei den meisten gibt es am Eingang ein Schaufenster in dem Plastikmodelle der entsprechenden Menus stehen. Das ist überaus praktisch, vor allem wenn man der japanische Sprache nicht mächtig ist.
Und es ist unglaublich, wenn man das essen dann bekommt, was in japanischen Restaurants sehr viel schneller geht als in deutschen, sieht aus Essen auch genau so aus. Jedes Stück auf dem Teller schein genau abgezählt zu sein.
In den normalen Restaurants ist das Essen auch nicht teuer.
Eine Sache stört mich aber. Vor den meisten Restaurants (außer den ganz teuren) muss man anstehen um rein zukommen. Mittags ist praktisch jedes Restaurant voll besetzt. Vor den Gaststätten werden daher extra Stühle aufgestellt. Auf dem Bild stehen für japanische Verhältnisse noch wenig Personen an. Da ich nicht bereit bin vor einem Restaurant 30 min oder länger anzustehen, gehe ich meistens zu McDonalds. Hier gibt es aus gutem Grund keine Plasikmodelle.

Auch in der Cafeteria auf unserem Campus gibt es entsprechende Plastikmodelle.
Auch hier sieht das Essen das man erhält mit ihnen identisch aus. Das Essen unserer Cafeteria ist an sich ganz gut. Leider gibt es jeden Tag das gleiche Essen. Da ich viele Mahlzeiten die es hier gibt nicht besonders mag, ist die Auswahl für mich sehr gering. Nach drei Monaten ist das Essen hier sehr langweilig.

Eine weitere interessante Sache hab ich in Kyoto gefunden:
Ein Restaurant das bayrisches Essen bietet.
Auch die Weißwurst ist schön in Plastik nachgebildet. Ich hab auch in den Laden reingeschaut und konnte eine Frage beantworten die mich schon lange beschäftigt. Essen Japaner auch ausländisches Essen mit Stäbchen? Ja! Sie essen auch Weißwurst mit Stäbchen.

Samstag, 1. Dezember 2007

Bergfest


Heute habe ich Bergfest, und den Begriff auch gleich ins japanische übersetzt: yama matsuri.
Natürlich gibt es den Begriff mit dieser Bedeutung auf japanisch nicht, aber meine Kollegen haben sich dennoch drüber amüsiert.

Hier ist nun auch der Herbst angekommen. Der Wald trägt Flecktarn und Kyoto ist von Menschenmassen überflutet, die sich die rot gefärbten Ahornbäume ansehen wollen. Letztes Wochenende konnte man in der Stadt keinen Fuß mehr rühren.

Apropos Flecktarn. Deutsche Armeekleidung ist in Japan in Mode. Man kann sie hier in Geschäften preiswert bekommen. Auch die deutsche Flagge ist noch dran. Allerdings werden die Sachen vor dem Verkauf beispielsweise blau gefärbt. Aber Flagge und Tarnmuster sind immer noch zu erkennen.

Letzes Wochenende habe ich auch die erste Geisha gesehen.
Geishas heißt übersetzt Kunstperson, also Künstlerin.
Die Ausbildung wird traditionell bereits mit sechs Jahren begonnen und dauert mindestens fünf Jahre. Auf dem Ausbildungsplan stehen besonders traditionelle japanische Künste wie Kalligraphie und Ikebana (Blumenstecken), aber auch Musizieren und Konversation.


Aber zurück zum Halbzeitfazit.
In den letzten drei Monaten habe ich viel gelernt.
Durch die Umstellung auf die neue Chemie und andere Laborausrüstung habe ich einige neue Arbeitsmethoden erlernt. Auch in Glasgerätebau bin ich mittlerweile ganz gut.
Allerdings wäre Roland manchmal doch eine Hilfe.

Arbeiten tun die Menschen in Japan alle sehr fleißig und lange. Die Einstellung zur Arbeit ist eine ganz andere. Allerdings ist die Arbeitszeit und das man Arbeitet hier wichtiger als die Produktivität.
Überall werden hier Menschen fürs rumstehen oder total überflüssige Regelung von Verkehr und Fußgängern bezahlt. Der Hammer war ein Parkplatz vor einem Restaurant mit 13 Stellplätzen und zwei Einweisern!
Auch auch im Labor muss man viele zeitaufwendige Arbeiten, die man mit einem minimalen finanziellen Aufwand vermeiden könnte, erledigen. Z.B. Faltenfilter selber falten. Aber auch ein Autosampler an dem NMR vermisst man. Klar das man dann für 13C-Spektren Nachtschichten einlegen muss. Ich bin Abends fast immer der erste der Nachhause geht. Aber bei einer Wochenarbeitszeit von dennoch 60 Stunden schäme ich mich dessen nicht. Dafür bin ich nicht japanisch genug. Da ich hier immer noch wie ein Gast behandelt werde, akzeptieren es meine Kollegen auch.

Neben der Chemie habe ich hier auch viel über die Kultur und über die Sprache gelernt. Da Kyoto das Zentrum des traditionellen Japans ist, gibt es hier auch viel zu entdecken.

Sonntag, 25. November 2007

Die Japanische Sprache Teil 2


Die Grammatik der japanischen Sprache unterscheidet sich doch deutlich von der unsrigen. Die Funktion eines Wortes im Satz wird durch Partikel ausgedrückt. Das ist deutlich einfacher als kompliziertes Konjugieren oder Deklinieren. Die Grammatik des Japanischen ist somit Vergleichsweise einfach.
Was jedoch sehr kompliziert ist, sind die Höflichkeitsformen, die es im Japanischen gibt.
Je nachdem mit wen man redet gibt es alleine für das Wort "Ich" vier Worte.
Zum Glück wird von einem Ausländer, der die Sprache kaum kann, nicht erwartet was er das richtig macht.

Noch schlimmer als die Höflichkeitsformen finde ich das Zählen auf japanisch.
Je nachdem um was es sich handelt werden verschiedene Zahlwörter und Anhängsel.
So verwendet man Beispielweise verschiedene Zahlwörter je nachdem ob es sich um drei Kleidungsstücke oder drei Äpfel handelt. Auch wird unterschieden ob es sich um flache oder längliche Gegenstände handelt. Bei Tieren ist das verwendete Zahlwort von Art und Größe abhängig.

Teilweise sind die Worte im japanischen sehr ähnlich: yokka ist beispielsweise der vierte Tag im Monat, yooka der achte Tag.
Da die Sprache vergleichsweise wenig Laute kennt, haben die Worte oft mehrere Bedeutungen: Kooen beispielsweise kann Park, Vortrag, Aufführung, Flamme oder Unterstützung bedeuten.
Die Sprache ist somit auch sehr Anfällig für Aussprachefehler, wobei die Aussprache für einen Deutschen recht einfach ist und das meiste so gesprochen wird, wie es geschrieben ist.

Sonntag, 18. November 2007

Die Japanische Sprache Teil 1

Hier in Japan mache ich nicht nur Chemie, sondern versuche auch ein bisschen die Sprache zu lernen. Dazu habe ich an einem Sprachkurs teilgenommen.
Die am Anfang 16 Teilnehmer des Sprachkurses kamen aus allen Teilen der Welt. Von jedem Kontinent, mit Ausnahme der Arktis, war mindestens ein Vertreter da.
Da daher die Teilnehmer verschiedene Muttersprachen hatten und einige (auch einige der Lehrer) praktisch kein Englisch konnten wurde nach der Direktmethode, also von Anfang an auf Japanisch unterrichtet.

Das erste Problem für jemanden der die Sprache lernen will ist die Schrift. Die Japaner verwenden im Alltag vier Schriftsysteme:

- Kanji (漢字): sind chinesische Schriftzeichen, die im 6. Jahrhundert von China nach Japan kamen. Über diese Schrift können sich Japaner und Chinesen durchaus verständigen, auch wenn die Aussprache der Zeichen oft unterschiedlich ist. Es gibt etwa 50.000 Kanji, aber selbst ein Gebildeter Japaner kann kaum mehr als 5000. Knapp 2000 sind im Alltag gebräuchlich. Hinzu kommen etwa 600 Kanji für Vor- und Familiennamen.

- Hiragana ( ひらがな): ist eine Silbenschrift die im 9. Jahrhundert entwickelt wurde und besonders von adligen japanischen Frauen benutzt wurde. Es ist die erste Schriftart die man lernt. Sie besteht aus 46 Symbolen. Hiragana werden für Präfixe, Suffixe, Partikel und japanische Wörter gebraucht, für die es kein Kanji gibt.

- Katakana (カタカナ): Ist die Schrift, die von den Mönchen und männlichen Adligen verwendet wurde. Heute wird die für Abkürzungen von japanischen Wörtern und vor allem für Fremdworte benutzt. Wenn man dieses Schriftsystem beherrscht, kann man zumindest viele Lehnwörter lesen und verstehen.

- Romaji: ist der japanische Name des lateinischen Alphabetes. Es wird heute besonders für Hippe-Werbebotschaften und natürlich Fremdworte benutzt.

Da die japanische Sprache weniger Laute kennt als unsere, sind die Übersetzungen in Katakana und auch die gebräuchliche Aussprache manchmal etwas abenteuerlich. Ich will ein Beispiele geben:

- パーチイー : paatii
- ビー$ル: biiru
- ホットドッグ: hottodoggu
- ハンバーガー: hanbaagaa
- アイスkリーム: aisukuriimu
- ボールペン: boorupen
- テーブル: teeburu


Jetzt dürft ihr raten was das wohl alles ist. Jeder von euch kennt die Sachen.
Noch ein Hinweis: Die Japaner kennen in ihrer Schriftsprache kein L, daher verwenden die ein R, sprechen es aber wie ein L aus. Hinzu kommt das ein Wort immer auf ein Vokal oder N enden mußt. Endet es mit einem Konsonanten wird ein Vokal einfach dazu geschrieben (und auch ausgesprochen ;-) ).
Natürlich könnt ihr darüber auch im Kommentar diskutieren.
Viel Spaß!

Freitag, 16. November 2007

Tauziehen


Diesen Pokal haben wir nicht gewonnen.
Aber vor dem Tauziehen konnten meine Kollegen und Laborgenossen Take und Osami den Pokal schon mal in der Hand halten und damit posieren.
Zweimal im Jahr findet dieses campus-weite Tauziehen statt. Dieses mal sind 18 Arbeitskreise angetreten um die Trophäe zu ergattern.


Hier einige der Streiter unseres Teams.
Angetreten wird regular mit sieben Personen. Ist eine Person davon weiblich, darf eine achte Person in Team sein. Eine Frau gibt es also im Prinzip als Bonus dazu.
Das haben natürlich die meisten Gruppen ausgenutzt. Wir natürlich auch.


Das Achtel- und Viertelfinale haben wir ohne Probleme geschafft. Im Halbfinale sind wir leider gegen die späteren Sieger ausgeschieden. Im kleinen Finale um den dritten Platz haben wir nochmal alles gegeben und sind am Ende doch noch auf Position drei gelandet.

Solche kleinen Sportveranstaltungen gehören hier zum Alltag und sind ein nette Abwechslung.
Natürlich arbeiten die fleißigen Japaner die verlorene Zeit dann in der Nacht nach.


Sonntag, 11. November 2007

Der Fushimi Inari-Schrein



Gestern war ich bei schönem Wetter in Fushimi-ku, einem südlichen Stadtteil von Kyoto.
Dort gibt es eine großen Shinto-Schrein, der dem Kami Inari gewidmet ist. Kami sind Naturgottheiten im Schinto. Inari ist die Gottheit der Fruchtbarkeit, des Reises und der Füchse.
Die Füchse gelten somit als Boten Inaris. Auf dem Gelände sind zahlreiche Fuchsstatuen mit rotem "Lätzchen" zu sehen.





Die Eingänge zu Shinto-Schreinen sind in Japan üblicherweise durch rote Torii gekennzeichnet.
So auch dieser. Hinter dem Tor sieht man den großen und schönen Schrein, der zu den Hauptschreinen der Inari-Schreine zählt.

Aber der Schrein ist an sich nicht das was so besonders an diesem Ort ist.
Besonders beeindruckend ist die Anzahl der Torii die es am Berg hinter dem Schrein gibt.
Es sollen 10000 Stück sein, in verschiedenen Größen. Ich habe sie nicht alle gezählt.
Teilweise stehen die Torii so dicht beieinander, das sie einen regelrechten Tunnel bilden. In den Tunneln sind sogar Lampen angebracht, da durch die Ritzen nicht genug Licht fällt.

Die Torii werden von Personen, Familien oder auch Firmen gespendet. Neben den großen gibt es auch zahlreiche keine die man dort kaufen und direkt an einen Schrein stellen kann.
Das umgebene Waldstück ist recht schön und der Besuch des selbigen war das erste mal seit zweieinhalb Monaten das ich aus besiedeltem Gebiet raus gekommen bin und nicht ständig Menschen und Verkehrslärm um mich hatte.

In dem Wäldchen gibt es auch einen Geocache: "The Guardian Fox" (GCGFEH).
Nach einigem Suchen habe ich ihn gefunden. Der Cache war prall gefüllt mit Travelbugs.
Trotz der Besucherströme ließ sich der Cache leicht heben, da er abseits der Hauptwege gelegt war.

Weitere Infos zu dem Schrein findet ihr in der Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Fushimi_Inari-Taisha

Montag, 5. November 2007

Auch hier ist Weihnachten ausgebrochen


Auch in Japan können sie nicht bis Ende November mit dem Weihnachtsschmuck warten. Weihnachten geht also auch an den Japanern nicht ohne Spuren zu hinterlassen vorbei.
Der bei weitem größte Teil der Bevölkerung in Japan( über 80 %) sind Shintoisten und/oder Buddhisten. Nur eine verschwindend kleine Minderheit von etwa 1% sind Christen. Das Christentum war gut 250 Jahre lang verboten. Vom 17. bis ins 19. Jahrhundert, also während der Edo-Zeit in der sich Japan von der Außenwelt anschottete, wurden Christen in Japan verfolgt und härtesten Repressalien ausgesetzt. Nichts desto trotz wissen zumindest meine Kollegen halbwegs über die Hintergründe von Weihnachten bescheid, was ich in einem so wenig durch das Christentum geprägten Land nicht für selbstverständlich halte. Aber wahrscheinlich tragen westliche Filme und die modernen Medien wesentlich dazu bei.


Wirklich gefeiert wird Weihnachten hier natürlich nicht. Jedoch wird Weihnachten durch den Geburtstags des Tennos (23.12.) welcher ein gesetzlicher Feiertag ist und dem wichtigsten Fest in Japan, dem Neujahrsfest, eingerahmt.
Gerade für die Besitzer kleiner Läden sind das die einzigen freien Tage im Jahr.
Somit ist zumindest die Adventszeit, auch für die Japaner eine Zeit der Vorfreunde auf das wichtigste Fest das Jahres.

Der Weihnachtsschmuck ist, wie nicht anders zu erwarten, lauter, bunter und aufdringlicher als bei uns. Über Geschmack lässt sich streiten.....
Die Katze auf dem ersten Bild zeigt wunderbar die sehr komikhafte, niedliche Symbolsprache der Japaner. Der Weihnachtsbaum auf dem letzten Bild ist nicht nur groß und blinkt, sondern es quäkt auch laute Weihnachtsmusik aus einem im Sockel angebrachten Lautsprecher.
Neben dem Baum steht natürlich die ganze Zeit ein Wachmann.

Da die Mittertagstemperaturen immer noch an die 20°C reichen und das braun färben der Blätter erst Ende des Monats zu erwarten ist, ist mir irgendwie noch gar nicht weihnachtlich zu Mute.

Freitag, 2. November 2007

Kyoto Jidai Matsuri

Vor knapp zwei Wochen war in Kyoto das Jidai Matsuri, übersetzt: das Festival der Zeitalter. Es ist eines der größten in Kyoto und findest jedes Jahr im Oktober statt. 2000 Kostümierte ziehen vom Imperialen Palast zum Heian-Jingu Schrein. Getragen werden Kleidung und Rüstungen aus der Geschichte Kyotos angefangen in der Heian-Periode (ab dem 8. Jahrhundert) bis in die Meiji-Zeit im 19. Jahrhundert.



Die Spitze des Umzuges bilden die geschilchtlich jüngsten Kostüme, also die der Meiji-Zeit. Hier haben die Soldaten bereits Gewehre. Ansonsten wirkt die Kleidung, ins besondere der Adligen noch sehr Mittelalterlich.
An der Kleidung und den Rüstungen hat sich über 1100 Jahre auch nur wenig geändert.

Das Festival wurde 1868 geschaffen, nachdem der Kaiser Kyoto verlassen hatte und Tokyo als Residenz gewählt hatte um die Moral in der Stadt wieder zu heben.


Montag, 29. Oktober 2007

Besuch aus Deutschland


Letzte Woche hatten wir Besuch aus Deutschland. Professor Jutzi aus Bielefeld hat bei uns seine Vortragsreise durch Japan gestartet. In dem Arbeitskreis hier ist er wohl bekannt, da er eine ähnliche Chemie macht, wie wir hier.

Er hat einen Vortrag über "Dynamische Kovalente Chemie von Galliumverbindungen" gehalten. Ein recht interessanter Vortrag und auch von Vortragsstil schön gemacht.



Mit Prof. Jutzi waren wir am Mittwoch Abend in einem schönen japanischen Restaurant essen.
Wie in Japan üblich sitzt man auf dem Boden. Um es aber für Europäer bequemer zu machen wurde eine Grube unter dem Tisch geöffnet, damit man bequemer sitzen kann. In rein japanischen Gruppen ist das wohl nicht unbedingt üblich.

Zu Essen gab es mehrere Gänge Fisch, Gemüse und Pilze. Reis gab es nur ganz zum Schluss, das zeichnet wohl die in Kyoto typische Küche aus.


Als wir das Restaurant betraten war der Tisch für uns bereits vorbereitet. Auf im Standen neben Sojasauce in kleinen Schälchen und den Essstäbchen ein kleines Stövchen mit Deckel. Hebt man den Deckel an wird der Blick auf Fisch, Pilze und Gemüse freigegeben. Noch ist das Essen kalt und roh. Erst zu beginn der Mahlzeit wurde das Stövchen entzündet.

Ein weiterer Gang bestand aus Tempura. Das ist paniertes und frittiertes Gemüse und Fisch. Tempura ist recht lecker. Ingesamt war das essen mit großem Aufwand sehr schön zubereit. Dennoch muss ich sagen, das es Gründe gibt, warum sich Sushi auf dem europäischen Markt durchgesetzt hat, andere japanische Gerichte jedoch nicht.

Am nächsten Abend, nach dem Vortag und einer Nachsitzung mit viel Bier waren wir ein weiteres mal mit dem Gast essen. Dieses mal in einer Gaststätte wo in der Tischmitte ein Grill eingelassen war. Zum Grillen hab es verschiedene Sorten Fleisch und Gemüse.

Samstag, 27. Oktober 2007

Das kaiserliche Mausoleum und die Burg in Momoyama

Am heutigen Samstag hatte ich ausnahmsweise mal frei. In dem Institut sind Bauarbeiten und daher darf nicht gearbeitet werden.

Den Vormittag habe ich für einen ausgedehnten Spaziergang nach Momoyama, einem Bezirk zwischen Obaku und Kyoto Station genutzt. Insgesamt gut 16 km.
Für den Hinweg habe ich mir eine Route am Uji-Fluss entlang ausgesucht. Da das Wetter schlecht war, war ich der einzige der am Fluss spazieren gegangen ist. Es war schön mal nicht so viele Menschen zu sehen.



Mein Ziel war ein kleines Waldgebiet in Momoyama, in dem sich ein kaiserliches Mausoleum und eine Burg befinden. Im Jahre 1912 wurde hier Tenno Mutsuhito (Regierungsname Meiji) beigesetzt. Seine Regentschaft läutete das Ende der Edo-Zeit, in der sich Japan von dem Rest der Welt isolierte, ein. In der nach ihm benannten Meiji-Zeit (1868-1912) wandelte sich Japan vom mittelalterlichen Feudalstaat zur modernen Kolonialmacht.
Nun ruht er im Südteil von Kyoto in seinem Mausoleum. Zu dem Mausoleum führt eine Treppe mit 230 Stufen.

















Neben dem Mausoleum ist Fushimi-jo, die Fushimi Burg.
http://en.wikipedia.org/wiki/Fushimi_Castle
Die Burg wurde ursprünglich im Jahre 1592 durch den Daimyo Toyotomi Hideyoshi erbaut. Sie wurde kurz darauf zerstört wieder aufgebaut und wieder zerstört. Der aktuelle Nachbau stammt aus dem Jahre 1964 und ist damit neuer als Neuschwanstein.
Das Gebäude ist sehr schön und auch der Park ist sehenswert.


Sonntag, 21. Oktober 2007

Zwischen Sanjo- und Shijo-Dori


Der Kamo-Fluß ist besonders im Sommer bei jungen Pärchen sehr beliebt. Sie sitzen dicht gedrängt in langen Reihen am Ufer entlang und halten den Fluß für wunderschön und romantisch. Ich jedoch halte ihn für den hässlichsten Fluß, den ich jemals gesehen habe. Er ist auf beiden Seiten in Beton gefasst. Von Natur ist nichts mehr geblieben. Außerdem stinkt er. Auf dem Bild ist für japanische Verhältnisse noch tote Hose.

Am Samstang habe ich mich in das Stadtzentrum von Kyoto vorgewagt. Etwa 2 Kilometer nördlich von dem Kyoto Hauptbahnhof, am Kamo-Fluß gelegen ist das Einkaufs- und Vergnügungsviertel von Kyoto.
Östlich des Flusses ist der Gion-Bezirk. Ein altes Vergnügungsviertel, das heute besonders bei Touristen sehr beliebt ist. In ihm befinden zahlreiche der schönsten Tempel. Außerdem gibt unendlich viele Teehäuser, Gaststätten und Kneipen.
In meinem Kyoto-Reiseführer ist dieser Stadtteil unter den Top 10 Sehenswürdigkeiten immerhin auf Platz 3.
Die Gegend wirkt sehr japanisch, wie man sich das eben vorstellt.



Auf der westlichen Seite des Flusses ist das moderne Einkaufsviertel. Herzstück sind zwei riesige überdachte Einkaufsstraßen die sich über 800 Meter zwischen Sanjo- und Shijo-Dori (der dritten und vierten Straße) erstrecken. Hier gibt es so ziemlich alles, was der Markt zu bieten hat. Japan typisch werden die Produkte auch laut angepriesen.



Wer nun denkt, das moderne Japan hätte das alte total verdränkt, liegt falsch. Mitten in den überfüllten Verkaufsgassen, gibt es einige alte Tempel. Auf mich wirken sie in dieser Gegend jedoch etwas deplaziert.



Wenn es Abend wird tauchen die Teens und Twens, mit teuern Klamotten und getunten Wagen in dieser Gegend auf. Einige sehen aus wie Bill Kaulitz von Tokio Hotel. Es ist schon komisch bei McDonalds zu sitzen und einige Jungs zu sehen die sich dort mit irgendwelchen komischen Dampfwerkzeugen die Haare frisieren.
Das Viertel mit den ganzen Leuchtreklamen wirkt aus mich wie aus dem Film "Blade Runner". Definitiv hat Ridley Scott sich hiervon inspirieren lassen.

Neben Discos, Karaoke-Bars, Bowlingscentern usw. gibt es hier auch einige Spielhallen. Besonders beliebt sind die Pachinko-Automaten.
Glückspiel ist in Japan verboten. Aber die Japaner sind einfallsreich. Die Lösung Pachinko. Hier kann man nur Geld verlieren und keins Gewinnen. Zumindest nicht direkt.
Die Japaner lieben Pachinko, die Spielhallen gibt es an jeder Ecke. Pro Jahr werden 250 Milliarden Euro in diese Geräte geworfen.
Das Spiel selber ist total langweilig. Obern werden Kugel rein geworfen und unten kommen sie wieder raus.
Die Spielhalle auf dem Bild ist noch eine kleine, es gibt sie in wesentlich größer.

Besuch des Byodoin-Tempels

In der letzten Woche war ich recht beschäftigt, da ich einen Vortrag über meine Promotion und einen über meine Forschung in Japan halten mußte.
Aber heute gibt es wieder einen Blog.

Heute war ich mit zwei weiteren Bewohnern meines Wohnheims (einer Algerierin und einem Tunesier) in Uji um uns dort den Byodoin Tempel anzusehen.
Er ist einer der berühmtesten Tempel in Japan und am liegt direkt am Uji-Fluss, nur etwa 2 km von meinem Wohnheim entfernt. Er wurde vor etwa 1000 Jahren zur Heian-Zeit gebaut. In dieser Epoche der japanischen Geschichte wurde Kyoto die Hauptstadt des japanischen Kaiserreiches (vorher war es Nara, 25 km südlich von Kyoto). Die höfische Kultur, so wie Kunst und Kultur wurden verfeinert und auch die Silbenschrift Hiragana stammt aus dieser Zeit.

Aus dieser Zeit stammt eines der bedeutendsten Romane der japanischen Literatur, Genji Monogatari (源氏物語, Die Geschichte vom Prinzen Genji). Das Buch ist in der Bedeutung vielleicht mit dem Niebelungen-Lied zu vergleichen und ist sogar etwas älter.
Das letzte viertel des Buches spielt in Uji. Daher gibt es direkt am Fluss eine Skulptur die an die Geschichte erinnern soll. Für Ausländer aber auch für moderne Japaner ist das Buch praktisch unlesbar. Was allerdings wohl weniger an der Sprache liegt, sondern an dem Umstand, dass es zu jener Zeit als unhöflich galt in Büchern Personen beim Namen zu nennen. Daher werden die Personen immer nur durch den Rang, Kleidung oder familiärer Herkunft beschrieben, was das lesen des Buches sehr mühsam macht.

Zurück zum Tempel. Er ist so schön und bedeutsam, dass er in die Rückseite der 10 Yen-Münze eingeprägt ist. Der Phönix, der den Giebel des Daches ziert ist auf dem 10.000 Yen-Schein abgebildet.

Sonntag, 14. Oktober 2007

Das Softball-Turnier der Chemie-Arbeitskreise

Letzte Woche hatten wir das Softball-Turnier der Chemie-Arbeitskreise. Es findet zweimal in Jahr statt. Insgesamt vier Arbeitskreise streiten um einen kleinen Pokal, der dieses Jahr ich glaube zum 20. mal vergeben wurde. Titelverteidiger war unser der Arbeitskreis von Prof. Tokitoh, mein Arbeitskreis.
Das Turnier fand in dem Park um den alten Kaiserpalast statt. Der Park hat eine Größe von 1300 m x 700 m. In der Mitte befindet sich der Kyoto Gosho, der Kaiserpalast von Kyoto. Die umgebene Mauer ist mit Bewegungssensoren gesichert. Einige Kinder haben die ausprobiert. Sie funktionieren.
Einfach besuchen kann man den Palast nicht. Man muß sich vorher mit Passnummer anmelden. Ich habe einen Besuchstermin für den 7.1.2008.

Softball ist eine vereinfachte Version von Baseball und genau so langweilig. Aber die Japaner lieben genau wie die Amerikaner Baseball. Ein wesentlicher Unterschied zu Amerika ist jedoch, dass man sich vor dem Spiel in zwei Reihen gegenüber aufstellt und sich tief verneigt.
Auch Prof. Tokitoh hat an dem Softball-Spiel teilgenommen und es hat sich gezeigt das er ein recht guter Spieler ist.
Am Ende hat es leider nicht ganz zum Sieg gereicht. Wir sind nur zweiter geworden.
Nach dem Turnier sind wir gemeinsam zur Reinigung in ein Onsen gegangen. (siehe Blog vom 12.10.2007)
Der Ausklang des Abends fand in einer Gaststätte im Stadtzentrum von Kyoto statt. Für Essen und Trinken gibt es dort Pauschalpreise. Man bekommt mehrere Gänge serviert und kann während der Zeit soviel trinken wie man will oder schafft. Aber auch nur während es Essen. Sind alle Gänge serviert gibt es auch nichts mehr zu trinken. Das Essen war mehr oder weniger das japanische Äquivalent von Fastfood aber durchaus gut schmeckend und mit 18 Euro incl. Getränken auch vom Preis her angemessen. Es gibt solche Angebote hier in jeder Preisklasse. Später am Abend waren wir noch in der zweiten Gaststätte, dort gab es ein ähnliches Angebot für etwa 10 Euro.

Das letzte Bild ist in der Gaststätte aufgenommen. Neben mir sitzt mein "direkter Vorgesetzter" Assistenzprofessor Dr. Mizuhata und gegenüber Professor Tokitoh. Im Hintergrund weitere Kollegen aus dem Arbeitskreis