Sonntag, 25. November 2007

Die Japanische Sprache Teil 2


Die Grammatik der japanischen Sprache unterscheidet sich doch deutlich von der unsrigen. Die Funktion eines Wortes im Satz wird durch Partikel ausgedrückt. Das ist deutlich einfacher als kompliziertes Konjugieren oder Deklinieren. Die Grammatik des Japanischen ist somit Vergleichsweise einfach.
Was jedoch sehr kompliziert ist, sind die Höflichkeitsformen, die es im Japanischen gibt.
Je nachdem mit wen man redet gibt es alleine für das Wort "Ich" vier Worte.
Zum Glück wird von einem Ausländer, der die Sprache kaum kann, nicht erwartet was er das richtig macht.

Noch schlimmer als die Höflichkeitsformen finde ich das Zählen auf japanisch.
Je nachdem um was es sich handelt werden verschiedene Zahlwörter und Anhängsel.
So verwendet man Beispielweise verschiedene Zahlwörter je nachdem ob es sich um drei Kleidungsstücke oder drei Äpfel handelt. Auch wird unterschieden ob es sich um flache oder längliche Gegenstände handelt. Bei Tieren ist das verwendete Zahlwort von Art und Größe abhängig.

Teilweise sind die Worte im japanischen sehr ähnlich: yokka ist beispielsweise der vierte Tag im Monat, yooka der achte Tag.
Da die Sprache vergleichsweise wenig Laute kennt, haben die Worte oft mehrere Bedeutungen: Kooen beispielsweise kann Park, Vortrag, Aufführung, Flamme oder Unterstützung bedeuten.
Die Sprache ist somit auch sehr Anfällig für Aussprachefehler, wobei die Aussprache für einen Deutschen recht einfach ist und das meiste so gesprochen wird, wie es geschrieben ist.

Sonntag, 18. November 2007

Die Japanische Sprache Teil 1

Hier in Japan mache ich nicht nur Chemie, sondern versuche auch ein bisschen die Sprache zu lernen. Dazu habe ich an einem Sprachkurs teilgenommen.
Die am Anfang 16 Teilnehmer des Sprachkurses kamen aus allen Teilen der Welt. Von jedem Kontinent, mit Ausnahme der Arktis, war mindestens ein Vertreter da.
Da daher die Teilnehmer verschiedene Muttersprachen hatten und einige (auch einige der Lehrer) praktisch kein Englisch konnten wurde nach der Direktmethode, also von Anfang an auf Japanisch unterrichtet.

Das erste Problem für jemanden der die Sprache lernen will ist die Schrift. Die Japaner verwenden im Alltag vier Schriftsysteme:

- Kanji (漢字): sind chinesische Schriftzeichen, die im 6. Jahrhundert von China nach Japan kamen. Über diese Schrift können sich Japaner und Chinesen durchaus verständigen, auch wenn die Aussprache der Zeichen oft unterschiedlich ist. Es gibt etwa 50.000 Kanji, aber selbst ein Gebildeter Japaner kann kaum mehr als 5000. Knapp 2000 sind im Alltag gebräuchlich. Hinzu kommen etwa 600 Kanji für Vor- und Familiennamen.

- Hiragana ( ひらがな): ist eine Silbenschrift die im 9. Jahrhundert entwickelt wurde und besonders von adligen japanischen Frauen benutzt wurde. Es ist die erste Schriftart die man lernt. Sie besteht aus 46 Symbolen. Hiragana werden für Präfixe, Suffixe, Partikel und japanische Wörter gebraucht, für die es kein Kanji gibt.

- Katakana (カタカナ): Ist die Schrift, die von den Mönchen und männlichen Adligen verwendet wurde. Heute wird die für Abkürzungen von japanischen Wörtern und vor allem für Fremdworte benutzt. Wenn man dieses Schriftsystem beherrscht, kann man zumindest viele Lehnwörter lesen und verstehen.

- Romaji: ist der japanische Name des lateinischen Alphabetes. Es wird heute besonders für Hippe-Werbebotschaften und natürlich Fremdworte benutzt.

Da die japanische Sprache weniger Laute kennt als unsere, sind die Übersetzungen in Katakana und auch die gebräuchliche Aussprache manchmal etwas abenteuerlich. Ich will ein Beispiele geben:

- パーチイー : paatii
- ビー$ル: biiru
- ホットドッグ: hottodoggu
- ハンバーガー: hanbaagaa
- アイスkリーム: aisukuriimu
- ボールペン: boorupen
- テーブル: teeburu


Jetzt dürft ihr raten was das wohl alles ist. Jeder von euch kennt die Sachen.
Noch ein Hinweis: Die Japaner kennen in ihrer Schriftsprache kein L, daher verwenden die ein R, sprechen es aber wie ein L aus. Hinzu kommt das ein Wort immer auf ein Vokal oder N enden mußt. Endet es mit einem Konsonanten wird ein Vokal einfach dazu geschrieben (und auch ausgesprochen ;-) ).
Natürlich könnt ihr darüber auch im Kommentar diskutieren.
Viel Spaß!

Freitag, 16. November 2007

Tauziehen


Diesen Pokal haben wir nicht gewonnen.
Aber vor dem Tauziehen konnten meine Kollegen und Laborgenossen Take und Osami den Pokal schon mal in der Hand halten und damit posieren.
Zweimal im Jahr findet dieses campus-weite Tauziehen statt. Dieses mal sind 18 Arbeitskreise angetreten um die Trophäe zu ergattern.


Hier einige der Streiter unseres Teams.
Angetreten wird regular mit sieben Personen. Ist eine Person davon weiblich, darf eine achte Person in Team sein. Eine Frau gibt es also im Prinzip als Bonus dazu.
Das haben natürlich die meisten Gruppen ausgenutzt. Wir natürlich auch.


Das Achtel- und Viertelfinale haben wir ohne Probleme geschafft. Im Halbfinale sind wir leider gegen die späteren Sieger ausgeschieden. Im kleinen Finale um den dritten Platz haben wir nochmal alles gegeben und sind am Ende doch noch auf Position drei gelandet.

Solche kleinen Sportveranstaltungen gehören hier zum Alltag und sind ein nette Abwechslung.
Natürlich arbeiten die fleißigen Japaner die verlorene Zeit dann in der Nacht nach.


Sonntag, 11. November 2007

Der Fushimi Inari-Schrein



Gestern war ich bei schönem Wetter in Fushimi-ku, einem südlichen Stadtteil von Kyoto.
Dort gibt es eine großen Shinto-Schrein, der dem Kami Inari gewidmet ist. Kami sind Naturgottheiten im Schinto. Inari ist die Gottheit der Fruchtbarkeit, des Reises und der Füchse.
Die Füchse gelten somit als Boten Inaris. Auf dem Gelände sind zahlreiche Fuchsstatuen mit rotem "Lätzchen" zu sehen.





Die Eingänge zu Shinto-Schreinen sind in Japan üblicherweise durch rote Torii gekennzeichnet.
So auch dieser. Hinter dem Tor sieht man den großen und schönen Schrein, der zu den Hauptschreinen der Inari-Schreine zählt.

Aber der Schrein ist an sich nicht das was so besonders an diesem Ort ist.
Besonders beeindruckend ist die Anzahl der Torii die es am Berg hinter dem Schrein gibt.
Es sollen 10000 Stück sein, in verschiedenen Größen. Ich habe sie nicht alle gezählt.
Teilweise stehen die Torii so dicht beieinander, das sie einen regelrechten Tunnel bilden. In den Tunneln sind sogar Lampen angebracht, da durch die Ritzen nicht genug Licht fällt.

Die Torii werden von Personen, Familien oder auch Firmen gespendet. Neben den großen gibt es auch zahlreiche keine die man dort kaufen und direkt an einen Schrein stellen kann.
Das umgebene Waldstück ist recht schön und der Besuch des selbigen war das erste mal seit zweieinhalb Monaten das ich aus besiedeltem Gebiet raus gekommen bin und nicht ständig Menschen und Verkehrslärm um mich hatte.

In dem Wäldchen gibt es auch einen Geocache: "The Guardian Fox" (GCGFEH).
Nach einigem Suchen habe ich ihn gefunden. Der Cache war prall gefüllt mit Travelbugs.
Trotz der Besucherströme ließ sich der Cache leicht heben, da er abseits der Hauptwege gelegt war.

Weitere Infos zu dem Schrein findet ihr in der Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Fushimi_Inari-Taisha

Montag, 5. November 2007

Auch hier ist Weihnachten ausgebrochen


Auch in Japan können sie nicht bis Ende November mit dem Weihnachtsschmuck warten. Weihnachten geht also auch an den Japanern nicht ohne Spuren zu hinterlassen vorbei.
Der bei weitem größte Teil der Bevölkerung in Japan( über 80 %) sind Shintoisten und/oder Buddhisten. Nur eine verschwindend kleine Minderheit von etwa 1% sind Christen. Das Christentum war gut 250 Jahre lang verboten. Vom 17. bis ins 19. Jahrhundert, also während der Edo-Zeit in der sich Japan von der Außenwelt anschottete, wurden Christen in Japan verfolgt und härtesten Repressalien ausgesetzt. Nichts desto trotz wissen zumindest meine Kollegen halbwegs über die Hintergründe von Weihnachten bescheid, was ich in einem so wenig durch das Christentum geprägten Land nicht für selbstverständlich halte. Aber wahrscheinlich tragen westliche Filme und die modernen Medien wesentlich dazu bei.


Wirklich gefeiert wird Weihnachten hier natürlich nicht. Jedoch wird Weihnachten durch den Geburtstags des Tennos (23.12.) welcher ein gesetzlicher Feiertag ist und dem wichtigsten Fest in Japan, dem Neujahrsfest, eingerahmt.
Gerade für die Besitzer kleiner Läden sind das die einzigen freien Tage im Jahr.
Somit ist zumindest die Adventszeit, auch für die Japaner eine Zeit der Vorfreunde auf das wichtigste Fest das Jahres.

Der Weihnachtsschmuck ist, wie nicht anders zu erwarten, lauter, bunter und aufdringlicher als bei uns. Über Geschmack lässt sich streiten.....
Die Katze auf dem ersten Bild zeigt wunderbar die sehr komikhafte, niedliche Symbolsprache der Japaner. Der Weihnachtsbaum auf dem letzten Bild ist nicht nur groß und blinkt, sondern es quäkt auch laute Weihnachtsmusik aus einem im Sockel angebrachten Lautsprecher.
Neben dem Baum steht natürlich die ganze Zeit ein Wachmann.

Da die Mittertagstemperaturen immer noch an die 20°C reichen und das braun färben der Blätter erst Ende des Monats zu erwarten ist, ist mir irgendwie noch gar nicht weihnachtlich zu Mute.

Freitag, 2. November 2007

Kyoto Jidai Matsuri

Vor knapp zwei Wochen war in Kyoto das Jidai Matsuri, übersetzt: das Festival der Zeitalter. Es ist eines der größten in Kyoto und findest jedes Jahr im Oktober statt. 2000 Kostümierte ziehen vom Imperialen Palast zum Heian-Jingu Schrein. Getragen werden Kleidung und Rüstungen aus der Geschichte Kyotos angefangen in der Heian-Periode (ab dem 8. Jahrhundert) bis in die Meiji-Zeit im 19. Jahrhundert.



Die Spitze des Umzuges bilden die geschilchtlich jüngsten Kostüme, also die der Meiji-Zeit. Hier haben die Soldaten bereits Gewehre. Ansonsten wirkt die Kleidung, ins besondere der Adligen noch sehr Mittelalterlich.
An der Kleidung und den Rüstungen hat sich über 1100 Jahre auch nur wenig geändert.

Das Festival wurde 1868 geschaffen, nachdem der Kaiser Kyoto verlassen hatte und Tokyo als Residenz gewählt hatte um die Moral in der Stadt wieder zu heben.