Sonntag, 30. Dezember 2007

Mochi, der japanische Reiskuchen


Heute waren wir bei der Familie Osaki zur traditionellen Mochi-Zubereitung eingeladen. Zwei weitere Kollegen waren auch da.
Zum ersten mal hatte ich die Gelegenheit ein japanisches Wohnhaus zu betreten. Die Räume sind mit Tatami-Matten ausgelegt. In Japan wird übrigens auch die Raumgröße in Anzahl von Tatami-Matten angegeben. Eine Tatami-Matte ist 90 cm x 180 cm groß. Stühle oder Sessel gibt es nicht. Man sitzt auf Kissen auf der Erde.

Nach einem kurzen Snack sind wir vor das Haus gegangen um zusammen mit der ganzen Großfamilie die Mochi zuzubereiten. Der Reis stand schon bereit. 30 kg!
Der wird gedämpft und anschließend in einer dickwandigen Steinschale zerrieben.
Im letzten Schritt wird mit dem großen Holzhammer immer drauf gehauen. Die heiße Masse wird an die Frauen übergeben, die daraus Bällchen und Laibe formen. Einige werden mit süßer Bohnenmasse gefüllt, andere mit verriebenen Nori-Algen oder Shrimps gefärbt.

Den Geschmack der Reisbällchen würde ich eher als neutral bezeichnen. Die Masse ist sehr klebrig. Mein Fall ist es nicht wirklich. Aber Eleanor fand sie sehr lecker. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

In Japan wird Mochi, dieser Reiskuchen zum Jahreswechsel im Kreis der Familie zubereitet und gegessen.




Angeblich kommt es durch die Klebrigkeit der Reismasse jedes Jahr zu, Jahreswechsel zu Fällen von Erstickungstod, über die in den japanischen Zeitungen in Form von "Neujahrs-Todesstatistiken" berichtet wird.

Freitag, 28. Dezember 2007

Meine Freundin ist da!


Bisher gab es im Dezember nicht viel Neues zu berichten. Das Wetter war nicht besonders gut, so dass ich an den Wochenenden nicht viel unternehmen konnte.
Seit gestern habe ich nun für gut eine Woche Urlaub und meine Freundin ist am Kansai Airport angekommen.
Natürlich hat sie mit dem Jetlag zu kämpfen.
Am ersten Tag haben wir uns am Kyoto Bahnhof umgesehen.


Dabei sind wir auf ein Buch gestoßen, das ich aus meiner Kindheit noch gut kenne, nur eben auf japanisch: "Die kleine Raupe Nimmersatt".
Hier heißt sie はらぺこあおむし (hara peko ao mushi), was soviel bedeutet wie "Die hungrige grüne Raupe". "Der kleine Prinz" stand direkt daneben.

Heute war das Wetter leider recht schlecht. Wir hatten Dauerregen. Daher haben wir unseren Tagesplan geändert und uns die Einkaufsgegend angesehen. Dort, inmitten der überdachten Straßen haben wir einen schönen Buddha in einem Tempel gefunden.

Sonntag, 2. Dezember 2007

Plastikmodelle von Essen

Heute möchte ich über ein Thema berichten über das ich schon lange schreiben wollte. Und zwar von den Plastikmodellen der Essen die man in einer Gaststätte kaufen kann.

Wenn man in Japan durch die Straßen geht, sieht man viele Gaststätten. Bei den meisten gibt es am Eingang ein Schaufenster in dem Plastikmodelle der entsprechenden Menus stehen. Das ist überaus praktisch, vor allem wenn man der japanische Sprache nicht mächtig ist.
Und es ist unglaublich, wenn man das essen dann bekommt, was in japanischen Restaurants sehr viel schneller geht als in deutschen, sieht aus Essen auch genau so aus. Jedes Stück auf dem Teller schein genau abgezählt zu sein.
In den normalen Restaurants ist das Essen auch nicht teuer.
Eine Sache stört mich aber. Vor den meisten Restaurants (außer den ganz teuren) muss man anstehen um rein zukommen. Mittags ist praktisch jedes Restaurant voll besetzt. Vor den Gaststätten werden daher extra Stühle aufgestellt. Auf dem Bild stehen für japanische Verhältnisse noch wenig Personen an. Da ich nicht bereit bin vor einem Restaurant 30 min oder länger anzustehen, gehe ich meistens zu McDonalds. Hier gibt es aus gutem Grund keine Plasikmodelle.

Auch in der Cafeteria auf unserem Campus gibt es entsprechende Plastikmodelle.
Auch hier sieht das Essen das man erhält mit ihnen identisch aus. Das Essen unserer Cafeteria ist an sich ganz gut. Leider gibt es jeden Tag das gleiche Essen. Da ich viele Mahlzeiten die es hier gibt nicht besonders mag, ist die Auswahl für mich sehr gering. Nach drei Monaten ist das Essen hier sehr langweilig.

Eine weitere interessante Sache hab ich in Kyoto gefunden:
Ein Restaurant das bayrisches Essen bietet.
Auch die Weißwurst ist schön in Plastik nachgebildet. Ich hab auch in den Laden reingeschaut und konnte eine Frage beantworten die mich schon lange beschäftigt. Essen Japaner auch ausländisches Essen mit Stäbchen? Ja! Sie essen auch Weißwurst mit Stäbchen.

Samstag, 1. Dezember 2007

Bergfest


Heute habe ich Bergfest, und den Begriff auch gleich ins japanische übersetzt: yama matsuri.
Natürlich gibt es den Begriff mit dieser Bedeutung auf japanisch nicht, aber meine Kollegen haben sich dennoch drüber amüsiert.

Hier ist nun auch der Herbst angekommen. Der Wald trägt Flecktarn und Kyoto ist von Menschenmassen überflutet, die sich die rot gefärbten Ahornbäume ansehen wollen. Letztes Wochenende konnte man in der Stadt keinen Fuß mehr rühren.

Apropos Flecktarn. Deutsche Armeekleidung ist in Japan in Mode. Man kann sie hier in Geschäften preiswert bekommen. Auch die deutsche Flagge ist noch dran. Allerdings werden die Sachen vor dem Verkauf beispielsweise blau gefärbt. Aber Flagge und Tarnmuster sind immer noch zu erkennen.

Letzes Wochenende habe ich auch die erste Geisha gesehen.
Geishas heißt übersetzt Kunstperson, also Künstlerin.
Die Ausbildung wird traditionell bereits mit sechs Jahren begonnen und dauert mindestens fünf Jahre. Auf dem Ausbildungsplan stehen besonders traditionelle japanische Künste wie Kalligraphie und Ikebana (Blumenstecken), aber auch Musizieren und Konversation.


Aber zurück zum Halbzeitfazit.
In den letzten drei Monaten habe ich viel gelernt.
Durch die Umstellung auf die neue Chemie und andere Laborausrüstung habe ich einige neue Arbeitsmethoden erlernt. Auch in Glasgerätebau bin ich mittlerweile ganz gut.
Allerdings wäre Roland manchmal doch eine Hilfe.

Arbeiten tun die Menschen in Japan alle sehr fleißig und lange. Die Einstellung zur Arbeit ist eine ganz andere. Allerdings ist die Arbeitszeit und das man Arbeitet hier wichtiger als die Produktivität.
Überall werden hier Menschen fürs rumstehen oder total überflüssige Regelung von Verkehr und Fußgängern bezahlt. Der Hammer war ein Parkplatz vor einem Restaurant mit 13 Stellplätzen und zwei Einweisern!
Auch auch im Labor muss man viele zeitaufwendige Arbeiten, die man mit einem minimalen finanziellen Aufwand vermeiden könnte, erledigen. Z.B. Faltenfilter selber falten. Aber auch ein Autosampler an dem NMR vermisst man. Klar das man dann für 13C-Spektren Nachtschichten einlegen muss. Ich bin Abends fast immer der erste der Nachhause geht. Aber bei einer Wochenarbeitszeit von dennoch 60 Stunden schäme ich mich dessen nicht. Dafür bin ich nicht japanisch genug. Da ich hier immer noch wie ein Gast behandelt werde, akzeptieren es meine Kollegen auch.

Neben der Chemie habe ich hier auch viel über die Kultur und über die Sprache gelernt. Da Kyoto das Zentrum des traditionellen Japans ist, gibt es hier auch viel zu entdecken.