Montag, 29. Oktober 2007

Besuch aus Deutschland


Letzte Woche hatten wir Besuch aus Deutschland. Professor Jutzi aus Bielefeld hat bei uns seine Vortragsreise durch Japan gestartet. In dem Arbeitskreis hier ist er wohl bekannt, da er eine ähnliche Chemie macht, wie wir hier.

Er hat einen Vortrag über "Dynamische Kovalente Chemie von Galliumverbindungen" gehalten. Ein recht interessanter Vortrag und auch von Vortragsstil schön gemacht.



Mit Prof. Jutzi waren wir am Mittwoch Abend in einem schönen japanischen Restaurant essen.
Wie in Japan üblich sitzt man auf dem Boden. Um es aber für Europäer bequemer zu machen wurde eine Grube unter dem Tisch geöffnet, damit man bequemer sitzen kann. In rein japanischen Gruppen ist das wohl nicht unbedingt üblich.

Zu Essen gab es mehrere Gänge Fisch, Gemüse und Pilze. Reis gab es nur ganz zum Schluss, das zeichnet wohl die in Kyoto typische Küche aus.


Als wir das Restaurant betraten war der Tisch für uns bereits vorbereitet. Auf im Standen neben Sojasauce in kleinen Schälchen und den Essstäbchen ein kleines Stövchen mit Deckel. Hebt man den Deckel an wird der Blick auf Fisch, Pilze und Gemüse freigegeben. Noch ist das Essen kalt und roh. Erst zu beginn der Mahlzeit wurde das Stövchen entzündet.

Ein weiterer Gang bestand aus Tempura. Das ist paniertes und frittiertes Gemüse und Fisch. Tempura ist recht lecker. Ingesamt war das essen mit großem Aufwand sehr schön zubereit. Dennoch muss ich sagen, das es Gründe gibt, warum sich Sushi auf dem europäischen Markt durchgesetzt hat, andere japanische Gerichte jedoch nicht.

Am nächsten Abend, nach dem Vortag und einer Nachsitzung mit viel Bier waren wir ein weiteres mal mit dem Gast essen. Dieses mal in einer Gaststätte wo in der Tischmitte ein Grill eingelassen war. Zum Grillen hab es verschiedene Sorten Fleisch und Gemüse.

Samstag, 27. Oktober 2007

Das kaiserliche Mausoleum und die Burg in Momoyama

Am heutigen Samstag hatte ich ausnahmsweise mal frei. In dem Institut sind Bauarbeiten und daher darf nicht gearbeitet werden.

Den Vormittag habe ich für einen ausgedehnten Spaziergang nach Momoyama, einem Bezirk zwischen Obaku und Kyoto Station genutzt. Insgesamt gut 16 km.
Für den Hinweg habe ich mir eine Route am Uji-Fluss entlang ausgesucht. Da das Wetter schlecht war, war ich der einzige der am Fluss spazieren gegangen ist. Es war schön mal nicht so viele Menschen zu sehen.



Mein Ziel war ein kleines Waldgebiet in Momoyama, in dem sich ein kaiserliches Mausoleum und eine Burg befinden. Im Jahre 1912 wurde hier Tenno Mutsuhito (Regierungsname Meiji) beigesetzt. Seine Regentschaft läutete das Ende der Edo-Zeit, in der sich Japan von dem Rest der Welt isolierte, ein. In der nach ihm benannten Meiji-Zeit (1868-1912) wandelte sich Japan vom mittelalterlichen Feudalstaat zur modernen Kolonialmacht.
Nun ruht er im Südteil von Kyoto in seinem Mausoleum. Zu dem Mausoleum führt eine Treppe mit 230 Stufen.

















Neben dem Mausoleum ist Fushimi-jo, die Fushimi Burg.
http://en.wikipedia.org/wiki/Fushimi_Castle
Die Burg wurde ursprünglich im Jahre 1592 durch den Daimyo Toyotomi Hideyoshi erbaut. Sie wurde kurz darauf zerstört wieder aufgebaut und wieder zerstört. Der aktuelle Nachbau stammt aus dem Jahre 1964 und ist damit neuer als Neuschwanstein.
Das Gebäude ist sehr schön und auch der Park ist sehenswert.


Sonntag, 21. Oktober 2007

Zwischen Sanjo- und Shijo-Dori


Der Kamo-Fluß ist besonders im Sommer bei jungen Pärchen sehr beliebt. Sie sitzen dicht gedrängt in langen Reihen am Ufer entlang und halten den Fluß für wunderschön und romantisch. Ich jedoch halte ihn für den hässlichsten Fluß, den ich jemals gesehen habe. Er ist auf beiden Seiten in Beton gefasst. Von Natur ist nichts mehr geblieben. Außerdem stinkt er. Auf dem Bild ist für japanische Verhältnisse noch tote Hose.

Am Samstang habe ich mich in das Stadtzentrum von Kyoto vorgewagt. Etwa 2 Kilometer nördlich von dem Kyoto Hauptbahnhof, am Kamo-Fluß gelegen ist das Einkaufs- und Vergnügungsviertel von Kyoto.
Östlich des Flusses ist der Gion-Bezirk. Ein altes Vergnügungsviertel, das heute besonders bei Touristen sehr beliebt ist. In ihm befinden zahlreiche der schönsten Tempel. Außerdem gibt unendlich viele Teehäuser, Gaststätten und Kneipen.
In meinem Kyoto-Reiseführer ist dieser Stadtteil unter den Top 10 Sehenswürdigkeiten immerhin auf Platz 3.
Die Gegend wirkt sehr japanisch, wie man sich das eben vorstellt.



Auf der westlichen Seite des Flusses ist das moderne Einkaufsviertel. Herzstück sind zwei riesige überdachte Einkaufsstraßen die sich über 800 Meter zwischen Sanjo- und Shijo-Dori (der dritten und vierten Straße) erstrecken. Hier gibt es so ziemlich alles, was der Markt zu bieten hat. Japan typisch werden die Produkte auch laut angepriesen.



Wer nun denkt, das moderne Japan hätte das alte total verdränkt, liegt falsch. Mitten in den überfüllten Verkaufsgassen, gibt es einige alte Tempel. Auf mich wirken sie in dieser Gegend jedoch etwas deplaziert.



Wenn es Abend wird tauchen die Teens und Twens, mit teuern Klamotten und getunten Wagen in dieser Gegend auf. Einige sehen aus wie Bill Kaulitz von Tokio Hotel. Es ist schon komisch bei McDonalds zu sitzen und einige Jungs zu sehen die sich dort mit irgendwelchen komischen Dampfwerkzeugen die Haare frisieren.
Das Viertel mit den ganzen Leuchtreklamen wirkt aus mich wie aus dem Film "Blade Runner". Definitiv hat Ridley Scott sich hiervon inspirieren lassen.

Neben Discos, Karaoke-Bars, Bowlingscentern usw. gibt es hier auch einige Spielhallen. Besonders beliebt sind die Pachinko-Automaten.
Glückspiel ist in Japan verboten. Aber die Japaner sind einfallsreich. Die Lösung Pachinko. Hier kann man nur Geld verlieren und keins Gewinnen. Zumindest nicht direkt.
Die Japaner lieben Pachinko, die Spielhallen gibt es an jeder Ecke. Pro Jahr werden 250 Milliarden Euro in diese Geräte geworfen.
Das Spiel selber ist total langweilig. Obern werden Kugel rein geworfen und unten kommen sie wieder raus.
Die Spielhalle auf dem Bild ist noch eine kleine, es gibt sie in wesentlich größer.

Besuch des Byodoin-Tempels

In der letzten Woche war ich recht beschäftigt, da ich einen Vortrag über meine Promotion und einen über meine Forschung in Japan halten mußte.
Aber heute gibt es wieder einen Blog.

Heute war ich mit zwei weiteren Bewohnern meines Wohnheims (einer Algerierin und einem Tunesier) in Uji um uns dort den Byodoin Tempel anzusehen.
Er ist einer der berühmtesten Tempel in Japan und am liegt direkt am Uji-Fluss, nur etwa 2 km von meinem Wohnheim entfernt. Er wurde vor etwa 1000 Jahren zur Heian-Zeit gebaut. In dieser Epoche der japanischen Geschichte wurde Kyoto die Hauptstadt des japanischen Kaiserreiches (vorher war es Nara, 25 km südlich von Kyoto). Die höfische Kultur, so wie Kunst und Kultur wurden verfeinert und auch die Silbenschrift Hiragana stammt aus dieser Zeit.

Aus dieser Zeit stammt eines der bedeutendsten Romane der japanischen Literatur, Genji Monogatari (源氏物語, Die Geschichte vom Prinzen Genji). Das Buch ist in der Bedeutung vielleicht mit dem Niebelungen-Lied zu vergleichen und ist sogar etwas älter.
Das letzte viertel des Buches spielt in Uji. Daher gibt es direkt am Fluss eine Skulptur die an die Geschichte erinnern soll. Für Ausländer aber auch für moderne Japaner ist das Buch praktisch unlesbar. Was allerdings wohl weniger an der Sprache liegt, sondern an dem Umstand, dass es zu jener Zeit als unhöflich galt in Büchern Personen beim Namen zu nennen. Daher werden die Personen immer nur durch den Rang, Kleidung oder familiärer Herkunft beschrieben, was das lesen des Buches sehr mühsam macht.

Zurück zum Tempel. Er ist so schön und bedeutsam, dass er in die Rückseite der 10 Yen-Münze eingeprägt ist. Der Phönix, der den Giebel des Daches ziert ist auf dem 10.000 Yen-Schein abgebildet.

Sonntag, 14. Oktober 2007

Das Softball-Turnier der Chemie-Arbeitskreise

Letzte Woche hatten wir das Softball-Turnier der Chemie-Arbeitskreise. Es findet zweimal in Jahr statt. Insgesamt vier Arbeitskreise streiten um einen kleinen Pokal, der dieses Jahr ich glaube zum 20. mal vergeben wurde. Titelverteidiger war unser der Arbeitskreis von Prof. Tokitoh, mein Arbeitskreis.
Das Turnier fand in dem Park um den alten Kaiserpalast statt. Der Park hat eine Größe von 1300 m x 700 m. In der Mitte befindet sich der Kyoto Gosho, der Kaiserpalast von Kyoto. Die umgebene Mauer ist mit Bewegungssensoren gesichert. Einige Kinder haben die ausprobiert. Sie funktionieren.
Einfach besuchen kann man den Palast nicht. Man muß sich vorher mit Passnummer anmelden. Ich habe einen Besuchstermin für den 7.1.2008.

Softball ist eine vereinfachte Version von Baseball und genau so langweilig. Aber die Japaner lieben genau wie die Amerikaner Baseball. Ein wesentlicher Unterschied zu Amerika ist jedoch, dass man sich vor dem Spiel in zwei Reihen gegenüber aufstellt und sich tief verneigt.
Auch Prof. Tokitoh hat an dem Softball-Spiel teilgenommen und es hat sich gezeigt das er ein recht guter Spieler ist.
Am Ende hat es leider nicht ganz zum Sieg gereicht. Wir sind nur zweiter geworden.
Nach dem Turnier sind wir gemeinsam zur Reinigung in ein Onsen gegangen. (siehe Blog vom 12.10.2007)
Der Ausklang des Abends fand in einer Gaststätte im Stadtzentrum von Kyoto statt. Für Essen und Trinken gibt es dort Pauschalpreise. Man bekommt mehrere Gänge serviert und kann während der Zeit soviel trinken wie man will oder schafft. Aber auch nur während es Essen. Sind alle Gänge serviert gibt es auch nichts mehr zu trinken. Das Essen war mehr oder weniger das japanische Äquivalent von Fastfood aber durchaus gut schmeckend und mit 18 Euro incl. Getränken auch vom Preis her angemessen. Es gibt solche Angebote hier in jeder Preisklasse. Später am Abend waren wir noch in der zweiten Gaststätte, dort gab es ein ähnliches Angebot für etwa 10 Euro.

Das letzte Bild ist in der Gaststätte aufgenommen. Neben mir sitzt mein "direkter Vorgesetzter" Assistenzprofessor Dr. Mizuhata und gegenüber Professor Tokitoh. Im Hintergrund weitere Kollegen aus dem Arbeitskreis

Freitag, 12. Oktober 2007

Besuch eines Onsen

Das heutige Bild hat überhaupt nicht mit dem Thema zu tun über das ich berichten möchte zu tun.
Gestern haben wir nach dem Baseballspiel ein Onsen, ein öffentliches Bad besucht. Da die Leute da unbekleidet rumlaufen habe ich auf Fotos verzichtet. Daher gib es heute nur das Bild dieser etwa 8 cm langen Gottesanbeterin.

Onsen ( 温泉) haben in Japan eine lange Tradition. Früher hatten nur die wenigsten Japaner ein eigenes Bad im Haus. Daher ging man in die öffentlichen Bäder. Auch heute noch sind in den alten, beengten Stadtkernen einige Wohnungen ohne Bad. Ausländer sind in den Bädern im allgemeinen nicht gern gesehen.
Gerade in den Badehäusern herrscht eine strenge Etikette die man Kennen sollte wenn man ein solches Bad besucht. Das beginnt schon am Eingang. In dem Vorraum müssen wie in Japan üblich die Schuhe ausgezogen werden. Man entrichtet den da den Eintritt (etwa 2 Euro) entkleidet sich komplett und reinigt sich bevor man die Wannen betritt. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Zur Reinigung vor dem Baden werden nicht wie bei uns Duschen benutzt, sondern Schalen mit Wasser. Man setzt sich dazu auf flache Hocker und wäscht sich gründlich mit Seife und dem kleinen Tuch das sowohl als Waschlappen, wie auch später als Handtuch dient. Ich habe den Eindruck das jeder Japaner immer ein Handtuch dabei hat. Allerdings sind die japanischen Handtücher auch sehr klein. Gegen den großen gefräßigen Plapperkäfer von Traal würde es kaum helfen (für alle Anhalter-Fans)
Ordentlich gereinigt kann man sich dann in einer der Wannen legen. In dem Onsen das ich gestern besucht habe gab es vier Wannen die jeweils 1,5 Meter lang und breit waren. Eine mit kaltem und drei mit warmen Wasser. Darüber hinaus gab es noch eine Dampfsauna.
Das kleine Tuch trägt man immer bei sich. Viele legen es sich auf den Kopf. Es darf mit dem Badewasser nicht in Berührung kommen.

Der Besuch eines Onsen ist eine angenehme Sache, zu vergleichen mit Sauna bei uns.
In nächster Zeit werde ich wohl häufiger ein Onsen besuchen.

Ein paar Bilder eines besonders schönen Onsen findet ihr in der Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Onsen

Montag, 8. Oktober 2007

Auf der Arbeit

Nun bin ich schon seit über 6 Wochen hier, das erste Viertel ist fast um und ich habe bisher immer nur über Japan und Freizeit geschrieben.
Nun möchte ich ein bisschen über unser Labor und meine Arbeit schreiben.
Auf dem ersten Bild seht ihr meinen Schreibtisch mit meinem Laptop.
Das zweite Bild zeigt meine Laborbank.
Der größte Unterschied zu Clausthal sind die stark begrenzten Räumlichkeiten. Mein Labor teile ich mir mit vier anderen Doktoranden und Diplomanden. Für alle gibt es nur einen Abzug. Viele Arbeiten werden daher auf der Laborbank gemacht. Darunter auch Tätigkeiten die man bei uns nie im Leben außerhalb eines Abzuges machen würde, zum Beispiel Absaugen von Tetrachlorkohlenstoff.
Leider haben wir auch keine schönen Vakuum/Stickstofflinien wie in Clausthal. Hier mußte ich erstmal lernen mit Ballon zu arbeiten. Aber immerhin hat jeder eine eigene sehr schicke, rollbare und sehr leise Drehschieberpumpe.
Auch nach Glasgeräten muß man teilweise sehr lange suchen. Ich vermisse ein paar schöne Feststofftrichter.
Ein Kleinigkeiten wird hier leider sehr gespart. Faltenfilter z.B. müssen wir uns auch selber falten.
Ganz anders sieht das bei Großgeräten aus. Da ist der Arbeitskreis extrem gut ausgestattet. Wir besitzen ein eigenes 300 MHz NMR-Spektrometer (drittes Bild) und ein 600 MHz für das ganze Institut. Leider vermisse ich hier auch einen Autosampler. Daher kann über Nacht auch immer nur eine Probe gemessen werden. Entsprechend kann es zu deutlichen Wartezeiten kommen, wenn 13C-Spektren gemessen werden müssen. Langsam verstehe ich warum die Japaner von 9 bis 24 Uhr im Labor sind.
Neben den üblichen Spektrometern wie IR und UV/Vis haben wir noch ein EI-QMS und ein ESI-TOF Massenspektrometer. Oh, und Röntgenstrukturanalysen können wir auch selber machen. Also wirklich eine sehr gute, komplette Ausrüstung.

Da wir mit sehr empfindlichen Substanzen arbeiten stehen in den Laboren insgesamt drei Goveboxes. Auch ich muß meine Chemie zum großen Teil in der Box machen, was aber angenehmer und einfacher ist als mit den Ballons.

Dienstag, 2. Oktober 2007

Endlich wieder Geocachen



Nach dem mein alter GPS-Empfänger einen defekt hatte, hab ich nun einen neuen.
Letztes Wochenende war ich damit gleich los Geocachen.
Begleiten haben mich zwei Kollegen, die unbedingt auch mal einen Schatz heben wollten.
Unser Weg führte uns von Kyoto Station zum nahegelegenen Eisenbahn Museum.
Auf dem Weg dorthin haben wir drei Caches, einen am Bahnhof und zwei im Park gehoben. Die im Park waren ziemlich gut versteckt. Ohne die Hinweise hätten wir sie nicht gefunden.

Der Park selber ist schön angelegt. Der Besuch hat sich gelohnt.
Am anderen Ende des Parkes befindet sich das Eisenbahnmuseum.
Knapp 20 alte Dampflokomotiven kann man hier bewundern. Mein einer Kollege, der ein Eisenbahn-Fan ist, war kaum zu bremsen.

Wie man auf dem Bildern erkennen kann, nimmt auch hier das hochsommerliche Wetter langsam den Abschied. Aber die oft recht schwülen 35 °C am Mittag waren doch ein bisschen viel des Guten. Nun haben wir angenehme gut 20 °C.